Das Rieser Storchenjahr 2019

Schlussbilanz 2019 aus dem Storchentagebuch der Storchenbeauftragten Heidi Källner

Storch im Hofgarten

 

 

 

66 flugfähige Jungstörche aus 15 Rieser Ortschaften mit insgesamt 34 Nestern:

Davon wurden in Oettingen aus 19 Nestern 35 Jungstörche flügge – in Nördlingen aus 2 Nestern zusammen 9 flugfähige Jungstörche.

 

Der Rest flugfähiger Jungstörche verteilt sich auf 13 weitere Ortschaften, wovon Harburg und auch Holzkirchen leer ausgehen:

Alerheim 1 Jst. – Auhausen 2 Jst. – Bühl 2 Jst. – Deiningen 2 Jst. – Löpsingen 2 Jst. – Möttingen 3 Jst. – Munningen 3 Jst. – Pfäfflingen 1 Jst. – Rudelstetten 2 Jst. – Wörnitzostheim 2 Jst. – Wemding 2 Jst. – Oettingen 35 Jst. aus 19 Nestern – Nördlingen 9 Jst. aus 2 Nestern.

In zwei Nestern - Harburg und Holzkirchen - hat die Brut nicht überlebt.

 

In Harburg sind vier Küken wohl der langen Regenzeit zum Opfer gefallen. In Holzkirchen ist der Blick ins Nest nicht möglich, dementsprechend die Ursache nicht ersichtlich. Das Storchenpaar treffe ich trotzdem immer wieder mal auf seinem Horst an: A6196: 20.06.2013 in Lonnerstadt (Mittelfranken) beringt. Der Partner ist unberingt. In diesem Nest hat es heuer Partnerwechsel gegeben – die Partnerin vom letzten und vorletzten Jahr, eine Französin, sie ist 2019 erfolgreiche Brüterin in Munningen.

 

Blick ins Tagebuch vom Rieser Storchenjahr 2019:

 

Oettingen im Februar: Das Jahr der Störche nimmt seinen Lauf – die Webcam in der Schloßstrasse im „FischerFoto“ Haus ist bereit, zeigt auf die Nester der Störche, hält die Spaziergänger täglich auf dem Laufenden.

Der Schweizer HES SA786 auf dem Röttger Haus, er wartet schon geduldig auf seine Gefährtin, beobachtet neugierig die Kamera auf dem Kirchturm von St. Jakob, genießt nebenbei die warmen Sonnenstrahlen. Er hat diesen Winter das Nest behütet. Die kurzen Pausen zwischendurch, sie seien ihm vergönnt.

 

Das traute Paar vom Grafenfeld, auch diese tapferen Glücksbringer sind der Fürstenstadt im Winter treu geblieben – Storchenstadt und Fürstenstadt, das waren wohl ihre Gedanken beim nächtlichen Überwintern auf dem Strommast im Grafenfeld.

 

Oettingen am 20. Febr. 2019: Mein Weg führt mich wieder durch das Nördlinger Ries. Inzwischen kommen die Störche zurück, in Möttingen und auch schon in Oettingen. Das Paar auf der Apotheke ist gestern heimgekehrt, ebenso ein Storch auf der Commerzbank (Linsebank). Dieser Schlingel fliegt fortlaufend zur Störchin im nachbarlichen Nest, kopuliert und schwebt glückselig wieder zurück ins eigene Heim. Dem einen Storch fehlt noch die Partnerin – der anderen Störchin noch der Partner. Woher ich das weiß? Die Ringe haben es mir erzählt . . .

 

27. Februar, Gartengasse - tagesfüllender Einsatz der N-ERGIE und dem Bauhof in Oettingen in der Gartengasse. Das Nest kann vollständig auf den Ersatzmast gesetzt werden. Schon am nächsten Tag hat sich das Storchenpaar auf diesem Ersatznest häuslich niedergelassen. Allerdings hat er, der unberingte Herr des Hauses, sich eine neue Gefährtin angelacht/geklappert. Die Ringnummer verrät dieses Geheimnis: AV392 w. geschlüpft 2016 in Stübach/Mittelfranken, auf dem Gemeindehaus.

 

Anfang März: Sechzehn Nester sind besetzt – ABER: Der Nördlinger AK933, Nestbesitzer auf dem Dekanat, er hat eine neue Partnerin. Auch die Commerzbank hat völlig neue Besitzer. Schloßbuck Mast und Pfarrgasse 7, diese Paare sind noch nicht in Sicht.

 

Schloßstrasse 2, der männliche Glücksbringer AN720 – ein Röttger Sohn von 2014 – er steht völlig verwirrt, traurig und in sich gekehrt auf seinem Nest neben der „silbernen“ Rohrverlängerung. Seine Partnerin AJ006 hat ihn verlassen, quer rüber auf der anderen Straßenseite hat sie sich in ihren Schwiegervater verliebt, kopuliert fröhlich und ohne schlechtes Gewissen mit dem „Röttger“, dem Vater von AN720. Hm – also menschlich gesehen: Hier hat sich der Vater die Schwiegertochter angelacht.

 

Wie konnte das nur passieren? Eigentlich kehren ja die männlichen Störche zuerst aus dem Süden wieder heim ins gewohnte Nest. Sie war viel schneller, der Partner noch nicht da.

 

Dann nimmt man sich eben den Nachbarn, in diesem Fall den Schwiegervater. Ja so war das wohl. Nun denn, in ein paar Tagen sieht die Welt dort über den Oettinger Dächern sicher wieder völlig anders aus. Ich lass mich gerne überraschen.

 

3. März 2019: Klappertag in Oettingen:

Gäste: AX800 / AX879 / AX982 / A2G83 /A1G92 /A1K07/A1G90/AX918

Die nestlosen Störche, sie sind Gäste und Zuschauer auf den Dächern und Wiesen in und um Oettingen und anderen Ortschaften im Ries. Noch möchten sie keine Familie gründen, sich kein eigenes Heim/Nest bauen. Ja und da bleiben tragische Augenblicke nicht aus.

Gast AX879 – seine Registriernummer sagt aus, dass er in Großenried 2017 geschlüpft ist. Damals ist ein Elternteil durch einen Unfall verstorben. Die 4 Küken aus diesem Nest wurden nach Westhausen in eine Auffangstation gebracht, später dann wieder ausgewildert. Die Winter verbrachte dieser Storch – AX879 - mal in Frankreich und mal in Spanien. Durch Ringablesung wurde dies notiert. Am 29.April 2019 lag er teilnahmslos auf einer Wiese am Rande von Oettingen. In der Auffangstation in Bopfingen ist er dann leise über die Regenbogenbrücke gegangen.

 

Oettingen am 9. März 2019.

Nein, heute ist kein Fotografenwetter, ganz bestimmt nicht. Der Wind bläst mir beinahe die Kamera aus der Hand, ich friere wie „ein Schneider“. Ja und trotzdem, in der Welt der Störche rührt sich immer etwas, auch an so einem stürmischen, verregneten Frühlingstag.

Sie schwirren von Nest zu Nest, besuchen neugierig den Nachbarn, suchen nach Baumaterial wie „AR952“ vom Mast im Hofgarten – und „jodeln“ fröhlich über die Dächer in den Äther, hinaus in die Weite des Himmels.

 

17. März 2019: Im Ries meldet sich Nachwuchs an

Oettingen am Sonntag, auf dem Strommast Pfarrgasse 14: HES SH856 und AU 727 - seit Beginn der Brutzeit 2018 – das Paar brütet emsig vor sich.

Auf dem Kamin in der Schloßstrasse Nr. 2: Das erste Ei liegt auf dem Horst, und alle feiern mit. Lang, sehr lang dauert es bis zum ersten Foto. Der Papa mit der Nr. DER AN720, eifrig schützt und behütet er den werdenden Nachwuchs. Ja und dann kommt sie, seine Partnerin mit der Ring Nr. DER AJ006, die Störchin kehrt heim von der Futterwiese. Jetzt ist Brutwechsel angesagt, das erste Foto kann gelingen.

Ob er „AN720“ der Vater ist, das sei dahingestellt – denn bis gestern war „AJ006“ noch eifrig mit ihrem Schwiegervater auf dem Röttgerhaus beschäftigt. Letztendlich hat doch die Liebe gesiegt und „HES SA786“ der Schweizer hat sich seiner ringlosen Herzensdame vom letzten Jahr erbarmt. Im Augenblick scheint die Welt über der Oettinger Dachlandschaft wieder in Ordnung zu sein.

 

2. April 2019 Oettingen - immer wieder gut für Neuigkeiten.

Der Schweizer auf dem Röttger Horst hat sich tatsächlich die dritte Partnerin angelacht - AU 864 – bis jetzt liegt noch kein einziges Ei im Nest. Sie war die Partnerin des „Nördlinger“ auf dem Dekanat. Dieser wiederum hat ebenfalls eine neue Gefährtin – und immerhin schon 2 Eier im Gelege.

„Wer zuerst kommt, ja der malt zuerst“ so sagt man und so war es dann auch. Das Paar von der Schloßstr.13 – ihr Nest wurde abgebaut - hat sich kurzerhand das noch unbewohnte Nest auf der VHS angeeignet, immer wieder verteidigt, letztendlich aber doch erfolglos. Zum Glück ist die neue Nisthilfe auf dem Haus G.Fr.St.1 so nah, der Umzug schnell geschafft.

 

3. April 2019: Und schon wieder Oettingen.

Das Nest Nr.1 auf der VHS: Da kommt eine Spätheimkehrerin - AN805 - klatschnass mit zerzaustem Federkleid - verjagt kurzerhand die Fremde - hat endlich ein Zuhause gefunden. Er - AW993 - ist zufrieden, renoviert und plant für die Zukunft.

Überraschung pur: Leere Nisthilfen warten geduldig auf Zugereiste. Und siehe da, das 19. Paar hat die letzte noch unbewohnte Nisthilfe auf dem Kamin der Pfarrgasse 7 angenommen, sehr vorsichtig aber schließlich doch endgültig.

Auch das noch, oh je: Neue Paare versuchen in / über Oettingen heimisch zu werden, knüpfen Kontakte, jubeln um die Wette, kopulieren ohne Unterlass.

Aber wohin dann mit den Eiern? Leere Nisthilfen? Alle sind besetzt. Nix da, wir versuchen es mit den eigenen Händen - dem eigenen Schnabel. Wir schaffen das - man wird sehen - in den nächsten Tagen weiß man mehr. So geschehen auf dem Giebel der VHS.

 

20. April, erster Nachwuchs frisch geschlüpft und noch feucht hinter den Ohren - In Oettingen auf dem Kamin der Schloßstrasse 2 hat sich der erste kleine Glücksbringer pünktlich zu Ostern aus dem Ei gepellt.

 

Wobei die Loser dieser Storchensaison noch immer ihren Lieblingsplatz auf dem Giebel der VHS tagtäglich „besetzen“. Sie fühlen sich wohl als Security der gesamten Oettinger Storchenkolonie

Beringung am 28. Mai – 31. Mai – 5. Juni

 

Die Beringungstour der Jungstörche 2019 im Nördlinger Ries hat begonnen. 34 Nester in 15 Ortschaften kann das Nördlinger Ries heuer präsentieren. Der Countdown läuft, die ersten „Personalausweise“ werden ausgestellt. Elsa Ringe, das sind laserbeschichtete Kunststoffringe, schwarz mit weißer Schrift, sie werden vom Storchenexperten Thomas Ziegler aus Feuchtwangen mit Unterstützung der Feuerwehren aus Oettingen, Wassertrüdingen und Nördlinger vergeben.

 

 

Der absolute Sieger unter den heuer im Nördlinger Ries geschlüpften, von den Altstörchen gut versorgtem Nachwuchs, das wird wohl das Paar vom Nördlinger Traditionsnest sein. SECHS Jungstörche wachsen und gedeihen dort oben auf dem Tanzhaus über dem Marktplatz.

Oettingen im Juni: Der erste Jungstorch macht sich auf den Weg in die Lüfte. Nach kurzem Spaziergang durch die Stadt, dem „Transport“ auf nahe gelegene Wiesen folgt geglückte Heimkehr . . . bisher alles im grünen Bereich.

Reisefieber

 

Sonntag, der 21. Juli 2019, ein ganz besonderes Datum:

Breit aus die Flügel beide: Oettingen fliegt - ganz Oettingen ist auf den "Beinen", in den Lüften schwebend und schaukelnd.

Die gesamte Rasselbande, die Oettinger Jungschar hat die Neugier gepackt, schreitet mal kurz auf dem Vordach der Residenz - die Ringnummer A5L61 - sie darf das, ist ja aus dem Nest Nr. 2 vom Prinzessinnenbau.

Und plötzlich dieses Schauspiel, einmalig und ganz besonders - ein Ereignis wie abgesprochen. Die Botschaft eilt wohl von Nest zu Nest. Einer gibt vermutlich das Zeichen zum Aufbruch, und alle - alle machen sich auf den Weg, 35 Jungstörche tanzen buchstäblich in den Himmel . . .

Was kann ich jetzt noch an Bildern zeigen? Leere Nester? Nein, ich hab da noch was vom heutigen Geschehen, denn manch Elternpaar kann sich vor Freude kaum im Zaum halten. Da hüpft der männliche Altstorch AK933 vom Dekanat schnell mal rüber auf das Nest der Pfarrgasse Nr. 7 und trifft dort rein zufällig die Madame AV392 aus der Gartengasse. Sie feiern gemeinsam die wiedergewonnene Freiheit. Oh je, geht das Kuddelmuddel schon wieder los. Ja und im Schaufenster vom Foto Fischer Haus in der Schloßstrasse kann man fortlaufend das Leben der Storchenfamilien live verfolgen. Heute zeigt die Kamera natürlich zwischendurch auch mal leere Nester.

Oettingen extra:

 

1.Grafenfeld – Strommast – 2 Jst., 2. Gartengasse – vom Strommast übergesiedelt wenige Meter daneben auf einen von der N-ERGIE gestifteten Masten – 3 Jst.3. Schloßbuck - Strommast – 2 Jst. 4. Georg-Friedr.Steinmeyer-Str.5 – Kamin mit Nisthilfe – 1 Jst., 5. Georg-Friedr.Steinmeyer-Str.1 – heuer neue Nisthilfe auf Kamin, vom Hausbesitzer gewünscht und gleich von den Störchen angenommen – 2 Jst., 6. Prinz.Bau Nest 1 – 2 Jst., 7. Prinz.Bau Nest 2 – 2 Jst., 8. Dekanat Nisthilfe auf Kamin – 2 Jst., 9. Pfarrgasse 14 Strommast – 2 Jst., 10. Pfarrgasse 7 - neue Nisthilfe auf einem Kamin – 2 Küken nicht überl., 11. Klosterplatz Kamin – 2 Jst., 12. Apotheke Schloßstrasse – Kamin – 2 Jst., 13. Röttger Schloßstrasse Traditionsnest – 1 Jst. Nachgelege, 14. VHS Nest1 Nisthilfe auf Kamin – 4 Eier sechs Wo bebrütet ohne Ergebnis, 15. VHS Nest2 Nisthilfe auf Kamin – 3 Jst., 16. Schloßstr.2 Kamin – 2 Jst., 17. Commerzbank Nisthilfe auf Kamin – 2 Jst., 18. Baum im Hofgarten – 2 Jst., 19. Strommast im Hofgarten – 3 Jst.

 

Nördlingen

am 26. April: Vier auf einen Streich – Vierlinge an Bord

Und hier kann man mal wieder live erleben: Jede Regel hat eine Ausnahme. Wenn ich nicht erst gestern die 6 Storcheneier mit meiner Kamera „festgehalten“ hätte, ich würde es heute wohl nicht glauben: Über Nacht sind auf dem Nördlinger Brot – und Tanzhaus VIER Küken geschlüpft.

 

Normal ist das nicht – denn 1 bis 2 Küken an einem Tag, so erlebe ich es immer wieder – dann 1 bis 2 Tage Pause und das dritte Küken pellt sich aus dem Ei. Die nächste Pause bis eventuell zum vierten Schlupf kann drei, manchmal auch vier Tage dauern.

Nun denn ich freue mich sehr, gratuliere von ganzem Herzen dem Nördlinger Traditionspaar. So sind zum Start ins Leben alle VIER gleich stark, jedes hat die Kraft vom elterlichen Mittagstisch das beste Stück gegen den großen Hunger zu erobern.

 

Und plötzlich waren es SECHS:

Ja und so ganz nebenbei haben sich noch ZWEI Nachzügler aus den restlichen beiden Eiern gepellt und so die kleine Familie zur Großfamilie werden lassen.

 

Nördlingen am 25. März, Überraschung:

Es gibt total spannende Neuigkeiten: Ein zweites Storchenpaar – DER AR 713, weibl. Beringungsdatum 31.05.2016 Beringungsort Forst* Vogelpark Flamingo Nordbaden (Karlsruhe), Deutschland. Ihr Ehemann ist inkognito anwesend, also nicht beringt. Das Paar scheint schwer entschlossen das Glück nach Nördlingen zu tragen. Und wo? Am Rande von Nördlingen, genauer gesagt – in der Nürnberger Straße.

 

Familie Lessmann hat vor etwa einem halben Jahr auf einem stillgelegten Kamin eine Nisthilfe in Eigenregie gebaut, liebevoll mit Zweigen ausstaffiert und fest verankert. Schon im Herbst 2018 wurde dieser „Hochsitz“ von vielen Glücksbringern heiß umkämpft. Heuer 2019, hat sich nun tatsächlich ein Storchenpaar auf dieser vorbereiteten Nisthilfe niedergelassen und häuslich eingerichtet.

 

Nördlingen am 23. Juni 2019, News aus dem Leben der Storchenfamilie auf dem Brot – und Tanzhaus:

Alle SECHS Jungstörche sind wohlauf. Die Jugend trainiert ihre Muskeln unter Aufsicht der Eltern. Die Thermik muss stimmen, das eigene Körpergewicht muss reduziert werden. Ja so ist es tatsächlich, die Altstörche füttern jetzt auf Sparflamme. Das Schweben und Fliegen mit weniger Gewicht geht leichter, der Wille zur eigenen Futtersuche wird gesteigert – denn bald geht es durch die Lüfte bis hinüber zur Kaiserwiese.

 

Nördlingen am 28. Juni – 62 Tage nach der Schlupf, sie fliegen zögerlich, verlassen schon mal für kurze Zeit den Horst.

Die Neugier siegt: Nördlinger Jungstörche vom Nest Nr. 1 am 63. Tag nach dem Schlüpfen, sie sind fit, der Rundflug um den Kirchturm Daniel ist geglückt, die Landung auf dem heimischen Horst perfekt gelungen. Alle SECHS sind wohlauf.

Ebenso gibt es gute Nachrichten von den beiden Jungstörchen aus Wemding. Die Rückkehr nach ihrem ersten Ausflug, die Landung im heimatlichen Nest auf dem Rathaus ist auch dieser Jugend perfekt geglückt.

 

31. August 2019 – über 20 geflügelte Übernachtungsgäste in / über Nördlingen auf dem Kirchenschiff von St. Georg und noch weiteren Häusergiebeln - Nördlingen ist ausgebucht. Die Glücksbringer, ja sie sammeln sich um gemeinsam die Reise in den Süden anzutreten. Tagsüber futtern sie zusammen mit Gleichgesinnten am Rande von Nördlingen. Der ganze Trupp auf den Wiesen zählt über 40 Störche.

 

 

Licht und Dunkel

Geschichten aus dem Alltag der Störche im Wonnemonat Mai

 

7. Mai 2019: Auf meiner Erkundungstour durch das Nördlinger Ries entdecke ich eine Gruppe „heimatloser“ Glücksbringer. Es sind 19 an der Zahl auf bunten Wiesen zur gemeinsamen Futtersuche.

Heimatlos: Störche welche sich heuer kein Nest gebaut, keinen Partner gesucht und auch keine Familie gegründet haben. Vermutlich sind sie noch nicht geschlechtsreif, einfach mal neugierig was im Ries so los ist. Vielleicht zieht dieser Trupp Störche in den nächsten Tagen schon wieder weiter auf seine ganz eigene Erkundungstour.

Holzkirchen im Mai, ein „Neuling“ im Nest auf dem Feuerwehrhaus. Sehr lang war der männliche Altstorch heuer allein. Seine Gefährtin seit ein paar Jahren, eine Französin, sie hat ihn verlassen und ist nach Munningen umgezogen. Jetzt brütet der männliche Holzkirchner Storch mit der „zugereisten“ Störchin DER A6196 – geschlüpft 2013 in Lonnerstadt (Mittelfranken).

 

Bühl: Kämpfe haben das Paar vertrieben, der männl. Storch fand dabei den Tod. Das neue Paar zeigt die Ring Nr. AW637 männl. beringt am 03.06.2015 Munderkingen, die Partnerin trägt einen nicht lesbaren Aluring.

 

Wemding: Partnerwechsel im Nest auf dem Rathaus - AY595 weibl. Im letzten Jahr hat die Störchin in Wörnitzostheim gebrütet. Er ist unberingt.

 

Wörnitzostheim: Er - AW674 – der Dreijährige aus Langenau – hat eine neue, unberingte Partnerin.

Alerheim: AE114 und ein unberingter Partner wie im letzten und vorletzten Jahr . . .

Mein Blick ins Nest am 23. Mai macht mich sehr traurig. Ein Küken schreit nach Futter - liegt kummervoll neben seinem toten Geschwisterchen - zerrt ruhelos an langen Schnüren . . .

"AW114" kümmert sich um das letzte Küken - entsorgt den leblosen Körper - der starke Dauerregen hat auch in diesem Nest seine Spuren hinterlassen.

 

Zu guter Letzt:

Im Nest auf dem Hause Röttger in Oettingen war das erste Gelege vernichtet, das Nachgelege mit einem Jungstorch noch gelungen. Der Grund könnte sein, dass der männl. Storch - HES SA786 geschlüpft 2005 in Möhlin/Aargau, Schweiz, er brütet seit 2009 in diesem Nest - heuer die dritte Partnerin in dieser Saison 2019 sich „eingetauscht“ hat, die Störchin vom Dekanat mit der Ring Nr. AU864.

27.Juni 2019 – der erste Jungstorch ist in der Stadt unterwegs (Schloßstr.2) wurde eingefangen und auf die Wiese gebracht.

 

28. Juli 2019: Ein Notfall DER A7N42 auf einem Acker zwischen Klosterzimmern und Deiningen. Er kann weder richtig stehen, noch laufen oder gar zum Flug starten. Die tierärztliche Diagnose lautet: Verdrehter Bruch im Knie, Heilung unmöglich. Traurig für den jungen Glücksbringer. Dieser Jungstorch stammt aus einem Nest in Lichtenau bei Ansbach und wurde am 8. Juni 2019 beringt. Er war demnach auf der Suche nach Gleichgesinnten für die gemeinsame Reise in den Süden.

 

29.Juli 2019: Oettingen: Ein toter Storch liegt in einem schmalen Gang zwischen zwei Fachwerkhäusern. Den Fotos nach scheint es ein Altstorch zu sein. Die Beine sind ab den Fersen aufwärts von Federn verdeckt. So kann man nicht feststellen ob beringt oder nicht. Leider muss man davon ausgehen, dass es der seit 2009 auf dem Röttger Traditionsnest brütende Schweizer HES SA786 wohl der Verunglückte ist.

Seitdem hat sich ein durchreisendes Paar auf dem Horst vom Hause Röttger niedergelassen. Es gab dort oben immer wieder Kämpfe zur Abwehr. Vermutlich ist da dieses Unglück geschehen.

Die Identifikation des neuen Paares: AF335 m und ein unberingter Storch – AF335 in Gerolfingen geschlüpft, seit 4 Jahren Brutstorch auf der Neumühle Weiltingen.

 

Der Sommer nimmt die letzte Kurve

 

10. August 2019, die Störche sammeln sich

Ansammlungen von etwa 100 Glücksbringern am Rande von Oettingen auf mehreren Wiesen verteilt.

Beim Oettinger Sommerfest: Unendlich viele Störche fliegen ein, besetzen beinahe in jeder Straße und vielen Gassen die Dächer und Giebel zur Nachtruhe. 26 Glücksbringer erobern sich eines der Lieblingsplätze auf dem Kirchenschiff von St. Jakob.

Mehr als 60 Übernachtungsgäste und dazu sind noch alle 19 Nester belegt. Das Jahr der Störche 2019 geht dem Ende entgegen – der Sommer nimmt die letzte Kurve.

28. August 2019: Nur noch 12 Störche auf dem Kirchendach – 18 Nester besetzt – und einen Gast aus Schweden habe ich auf dem Oettinger Kirchenschiff mit meiner Kamera eingefangen. Vogelwarte Schweden – SVS Falsterbo so steht es auf dem Ring geschrieben.

Endspurt: Denn bald, sehr bald ist dieses Schauspiel wieder vorbei, die gemeinsame Reise in den Süden nimmt ihren Lauf.

 

Autor: Heidi Källner

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