Bundesverdienstkreuz für Annemarie Leigart

Annemarie Leigart

Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Frau Annemarie Leigart das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Überreicht wurde der Orden und die Verleihungsurkunde am 01.08.2019 im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales in München von Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer.

 

Mit gerade mal 21 Jahren kam Frau Leigart 1965 nach Oettingen. Seit ihrer Heirat 1966 lebt sie in der Bleichgasse 5. Durch ihre engagierte Arbeit in der Katholischen Kirche, bei städtischen Projekten und vor allem durch das Integrationscafé ist sie bei Alt und Jung bestens bekannt und wird von allen hoch geschätzt.

 

Am 1. Januar 1982 trat Frau Leigart der Katholischen Arbeiterbewegung Diözesanverband Augsburg bei und übernahm am 06.06.1997 den Kreisvorsitz. Seit dem 14.03.2014 ist sie auch Ortsvorsitzende des KAB-Ortsverbandes Dinkelsbühl-Donau-Ries. Am 17.11.2001 wurde sie zur stellvertretende Diözesanvorsitzende gewählt und führte dieses Amt bis zum 26.10.2013 aus. Seit 26.10.2013 steht sie als Diözesanvorsitzende an der Spitze der KAB Diözese Augsburg und hat somit den höchsten ehrenamtlichen Posten der Diözese Augsburg inne. In der KAB setzte sich  Frau Leigart aktiv u. a. für das Einführen des Mindestlohnes, war Mitorganisatorin der „Nacht der Solidarität“, sammelte Unterschriften für einen arbeitsfreien Sonntag, und, und, und.

 

Die Jugendarbeit war Frau Leigart schon immer eine besondere Herzensangelegenheit, ist sie doch selbst Mutter von drei Kindern, Oma von mehreren Enkeln und inzwischen auch Uroma. In den 80er und 90er Jahren war sie für die Katholische Kirchengemeinde St. Sebastian in der Jugendarbeit tätig und organisierte Jugendfreizeiten und mehrtägige Zeltlager. Wegen ihrer fürsorglichen und mütterlichen Art ist sie bei allen Kindern, Jugendlichen und Betreuern sehr beliebt. Über Jahrzehnte hinweg hat Frau Leigart die Lebensmittel für die Freizeiten besorgt und anschließend gemeinsam mit den Jugendlichen und Helfern die Mahlzeiten gekocht. Bei den Veranstaltungen war sie als Aufsichtsperson ebenfalls mit von der Partie. Viele Kinder von damals sind heute selbst Eltern und erzählen immer noch begeistert von den Erlebnissen in den Zeltlagern.

 

1996 wurde Frau Leigart über die SPD-Liste in den Stadtrat gewählt, dem sie nun bereits in vierter Amtsperiode angehört. Für ihre langjährige Stadtrats-Tätigkeit verlieh ihr Landrat Rößle 2014 die Kommunale Dankurkunde. Frau Leigart ist Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss, in der Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen, sowie im 2009 neu installierten Ausschuss für Kinder, Jugend, Familie und Senioren. In diesem Ausschuss bringt die gelernte Krankenschwester ihre Erfahrung und gute Menschenkenntnisse ein. Wichtige Meilensteine des KiJuFaSe-Ausschusses waren der Neubau des Jugendzentrums in Oettingen sowie die Schaffung einer Stelle für die gemeindliche Jugendarbeit. Frau Leigart hat stets ein offenes Ohr für die Belange der Jugendlichen und den Hilfsbedürftigen. Aufgrund ihrer sozialen Kompetenz und ihres ausgleichenden Wesens nimmt sie oft die Stelle als Vermittlerin zweier Parteien ein.

 

Als im September 2003 in Oettingen ein Jugendrat gewählt wurde, war sie Fürsprecherin für die Jugendlichen. Leider bestand nach Ablauf der zweiten Wahlperiode von Seiten der Jugendlichen kein Interesse mehr an einer Fortführung des Jugendrates.

 

Da in Oettingen ein Treff für Kinder im Alter von 12-14 Jahre fehlte, kümmerte sie sich darum, dass in einer leerstehenden städtischen Wohnung ein Raum bereitgestellt wurde und richtete dort einen wöchentlichen Spiele- und Beschäftigungstreff speziell für diese Altersgruppe ein. Seit dieser Zeit engagiert sie sich auch im Ferienprogramm der Stadt Oettingen und bietet dort zusammen mit anderen Mitstreitern eine Nacht-Wanderung mit Grillen für Kinder an.

 

Im Jahre 2005 wurde die Stadt Oettingen in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen. Zu den Schwerpunkten des Programms gehört neben der Städtebauförderung und baulicher Sanierung, eine öffentlich-private Kooperation, die nur gelingen kann, wenn sich Menschen aktiv einbringen. Frau Leigart war eine der ersten Akteure, die sich für dieses Projekt eingesetzt haben und sie engagiert sich noch heute mit größtem persönlichem Einsatz.  

 

Um der Vereinsamung von Seniorinnen und Senioren entgegen zu wirken, wurde 2006 der „Mittagstisch für Seniorinnen und Senioren“ in den Räumen der Oettinger Volkshochschule ins Leben gerufen. Frau Annemarie Leigart war von dieser Idee sogleich begeistert und suchte sich weitere Mitstreiterinnen, um einmal wöchentlich zum Selbstkostenpreis gesunde Hausmannskost für bis zu dreißig zum Teil hoch betagte Seniorinnen und Senioren auf den Tisch zu bringen.

 

Mittlerweile existiert dieses Treffen seit elf Jahren. Bei leckeren Schmankerln sowie Kaffee und Kuchen wird erzählt und gesungen. Viele Freundschaften sind seither entstanden und mittlerweile gibt es sogar einen Abholdienst für diejenigen, die nicht so gut zu Fuß sind. Um für andere Aufgaben mehr Zeit zu haben, zog sich Frau Leigart vom Mittagstisch ab 2014 Zug um Zug zurück, sorgte allerdings dafür, dass ihre Arbeit von einem neuen Team weitergeführt wird. Mit dem „Mittagstisch“ wurde in Oettingen eine wichtige Basis für soziale Kontakte für Seniorinnen und Senioren geschaffen und Frau Leigart hat einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet. Der „Mittagstisch“ war ein Baustein des Projekts „Generationenübergreifende Nachbarschaftshilfe“, welches im Rahmen des Wettbewerbs „Generationendialog in der Praxis – Bürger initiieren Nachhaltigkeit“ von der Bundesregierung und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung 2009 ausgezeichnet worden ist.  

 

Ebenfalls im Rahmen der Städtebauförderung „Soziale Stadt“ hat die Volkshochschule im Jahre 2006 für ausländische Mütter einen Deutschkurs angeboten. Die Frauen wollten sich untereinander besser kennenlernen, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache verbessern und es sollte ihre Integration in das städtische Leben durch die Hilfe von ehrenamtlich tätigen Frauen unterstützt werden.

 

Während die Mütter aus elf verschiedenen Nationen deutsch lernten, kümmerte sich Frau Leigart um die Betreuung der Kinder und organisierte gemeinsame Aktivitäten. Um 14-tägige Treffen zu ermöglichen wurde eine leerstehende städtische Wohnung hergerichtet. Frau Leigart holte weitere Helfer ins Team und baute so ein stabiles Helfernetz für das „Integrationscafe“ auf.

 

Inzwischen ist der Integrationstreff zu einer festen Größe angewachsen. Die generationenübergreifende Einrichtung birgt „eine Art Großfamiliencharakter für die Beteiligten“. Es gibt regelmäßige Treffen, gemeinsame Freizeitaktivitäten, Besuche von Kulturveranstaltungen und Museen und eine rege Teilnahme am Geschehen in der Stadt. Durch die jährlichen Grillfeste wurden auch die Angehörigen integriert, was für die muslimischen Frauen von besonderer Wichtigkeit ist.

 

Die Migrantinnen sind aktiv am sozialen und kulturellen Leben beteiligt: Sie nehmen an der Oettinger Tradition des Osterbrunnenschmückens teil und gestalten jedes Jahr den Brunnen vor dem Krankenhaus. Mit Freude zeigen sie ihre Kochkünste und übernehmen auch mal das Catering bei Veranstaltungen wie Workshops, Brunch im Völkerkundemuseum oder verwöhnen Besucher beim „Tag der offenen Schultür“ in der Grund- und Mittelschule. Diese Aktionen werden von den Oettinger Bürgern sehr gut angenommen. Mit Hilfe der Verbesserung der Kenntnisse in der deutschen Sprache und der Integration gelang es sogar einigen Frauen, den Einstieg in das Berufsleben zu schaffen. 2008 wurde der Integrationspreis der Regierung von Schwaben im Rahmen des Programms „Aktion Integration“ der bayerischen Staatsregierung an das „Integrationstreff in Oettingen“ vergeben.

 

Der große Zustrom der Asylbewerber und Flüchtlinge ab 2012 brachte für Annemarie Leigart und ihr Team eine große Neuorientierung. Seither tagt der „Integrationstreff“ wöchentlich, verbunden mit Deutschkursen auch für Frauen, im Gebäude der Volkshochschule. Anfangs waren die Asylbewerber noch auf sich selbst gestellt, eine Betreuung von offizieller Seite gab es zu dieser Zeit noch nicht. Allerdings konnten die ausländischen Personen bei Problemen immer auf die Hilfe von Frau Leigart und ihrem Team rechnen, egal ob Fahrdienste organisiert, Arztbesuche ausgemacht, Termine koordiniert, Dinge für den Haushalt oder Schule besorgt oder nur ein offenes Ohr gebraucht wurde.

 

Auch die umliegenden Dörfer und Städte standen aufgrund der zugeteilten Asylbewerber vor Problemen und erkundigten sich bei Frau Leigart nach deren Erfahrungen und baten um Hilfe. Frau Leigart unterstützte, wo sich nur konnte und stand auch hier allzeit mit Rat und Tat zur Seite.

 

Teilweise waren in der Flüchtlings-Hochphase bis zu 200 Asylbewerber in den drei Oettinger Unterkünften untergebracht. Auch dank des von Frau Leigart sehr gut eingeführten und organisierten Integrationstreffs kam es in Oettingen zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Der Helferkreis wuchs auf über 60 Personen an. Die Aufgabengebiete mussten nun in mehrere Tätigkeitsbereiche gesplittet und die Asylbewerber in den drei Unterkünften in Gruppen geteilt werden. Alle sechs Wochen treffen sich die Helfer der einzelnen Gruppen zum Erfahrungsaustausch.

 

Die Augsburger Allgemeine verleiht im Mai 2016 die Silberdistel, eine Auszeichnung für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, an das Oettinger Integrationstreff.

 

Frau Leigart organisiert und kümmert sich immer noch maßgeblich um die Asylbewerber und Flüchtlinge in der Schloßstraße und Nördlinger Straße. Besonders der enorme zeitliche Einsatz, den Frau Leigart für die Anliegen und Probleme der Asylbewerber einbringt, muss an dieser Stelle hervorgehoben werden.

 

2014 wurden die Aktionstage „Mittendrin in Oettingen“ ins Leben gerufen. Sie stehen mit einer Reihe von Veranstaltungen für die Thematik Integration, Inklusion und Heimat. 2015 wurde dieser Event zu einer Interkulturellen Woche ausgeweitet. Auch hier gehört Frau Annemarie Leigart zur Projektgruppe „Mittendrin“, die das Programm vorbereitet und koordiniert.

 

Was Frau Annemarie Leigart auch tut, sie macht es mit vollem Einsatz, motiviert andere und geht stets mit gutem Beispiel voran. Immer sorgt sie sich um ein gutes Einvernehmen in der Gruppe. Frau Leigart nimmt sich der Schwachen in der Gesellschaft an und ist immer da, wenn man sie braucht. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand vor ca. 10 Jahren ist sie buchstäblich Tag und Nacht ehrenamtlich für den Integrationstreff auf Achse. Man kann behaupten, ohne den umfassenden Einsatz von Frau Annemarie Leigart wäre das soziale und kultureller Leben in unserer Stadt um vieles ärmer.

 

Die Stadt Oettingen gratuliert Frau Annemarie Leigart zu dieser hohen Auszeichnung und spricht  ihr für ihr vielseitiges, ehrenamtliches Engagement Dank und Hochachtung aus.

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