Oettingens Geschichte

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Das Gebiet um Oettingen ist seit uralten Zeiten besiedelt. Die strategisch günstige Lage am nördlichen Zugang in das Ries und die fruchtbaren Böden haben schon sehr früh Siedler angelockt. Eine durchgehende Besiedlung von der Jungsteinzeit (ca. 5000 v. Chr.) bis in das Mittelalter ist durch Funde belegt.

 

Herausragende Bodendenkmäler sind mehrere jungsteinzeitliche Dorfanlagen und eine bronzezeitliche Siedlung. Eine dichte Besiedlung ist auch für die Römische Kaiserzeit feststellbar. Vom Kastell Munningen führte durch das heutige Stadtgebiet eine wichtige Straße in das Altmühltal. Im Norden der Stadt lag einst ein römisches Straßendorf, das den Übergang über die Wörnitz sicherte.

 

Fünf Bauernhöfe im Oettinger Gebiet sprechen für eine damals intensive landwirtschaftliche Nutzung. Ein frühmittelalterliches Gräberfeld des 6. Jahrhunderts weist in die Zeit der Alemannen und Franken.

 

Die erste schriftliche Nennung Oettingens stammt aus dem 9. Jahrhundert. Seit 1141 war der Ort Sitz der Grafen und späteren Fürsten von Oettingen. Sie bauten ihren Herrschaftsmittelpunkt aus und legten neben der Burg eine Marktsiedlung an.

Bereits im 13. Jahrhundert ist die Stadt ummauert, bis heute ist die Stadtmauer auf weite Strecken - allerdings ohne Wehrgang - erhalten.

 

Die Vergangenheit als Haupt- und Residenzstadt eines eigenständigen Landes prägt die Stadt bis heute. Seit 1414 war Oettingen sogar zwischen zwei herrschaftlichen Linien aufgeteilt. Als sich 1539 die Grafen von Oettingen-Oettingen der Reformation anschlossen, wurde die herrschaftliche Aufteilung durch  die konfessionelle zusätzlich vertieft.

 

Als bikonfessionelle Residenzstadt entwickelte Oettingen seine historische Besonderheit (im Heimatmuseum in einer eigenen Abteilung zu sehen!).

 

St. Jakob wurde evangelische Pfarrkirche, die 1563 gegründete Lateinschule (heute Albrecht-Ernst-Gymnasium) bildete den einheimischen Nachwuchs für die Oettingische Landeskirche und den fürstlichen Hof aus.

 

Die ursprüngliche Wallfahrtskirche St. Sebastian wurde katholische Pfarrkirche. Die Pfarrei wurde von 1641 bis 1782 von Jesuiten betreut, die auch die Wallfahrt zeitweise zu großer Blüte brachten.

 

Neben den christlichen Gemeinden waren hier seit dem Mittelalter Juden ansässig. Seit dem 17. Jahrhundert wuchs die Oettinger Judengemeinde stetig an, die Stadt war Sitz eines Rabbinats. Der jüdische Friedhof (1851) liegt im Norden der Stadt.

 

Das Stadtbild ist durch die Bautätigkeit der Barockzeit geprägt. Als landesherrliche Residenzstadt verfügte die Stadt über zahlreiche repräsentative Gebäude, darunter zwei Schlösser, und mehrere zentralörtliche Einrichtungen.

 

Mit der Mediatiserung 1806 verlor Oettingen seine Stellung als Hauptstadt eines eigenen Fürstentums und wurde dem Königreich Bayern einverleibt.

 

Zu dem Zusatz "i. Bay." kam Oettingen im Jahr 1912. Seinerzeit wollten die Stadtväter die Mutmaßungen unterbinden, ihr Ort liege in Württemberg, denn das hatte der bis dahin übliche Zusatz "Schwaben' nahegelegt.

 

Wirtschaftlich blieb die Stadt jahrhundertelang vom Handwerk und der zentralen Bedeutung für das Umland geprägt. Trotz des frühen Eisenbahnanschlusses 1849 entwickelte sich bis zum 2. Weltkrieg nur ein wirklich großer Betrieb: Die Orgelbaufirma Steinmeyer, deren Instrumente in die ganze Welt geliefert wurden.

 

Inzwischen haben sich mit der Ansiedlung von Gewerbebetrieben und der Anlage umfangreicher Baugebiete erhebliche Wandlungen vollzogen. Dank der Eingemeindung neuer Ortsteile und der Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen hat die Stadt ihre Bedeutung als Verwaltungssitz behauptet. Mit dem neu eingerichteten Heimatmuseum, dem Völkerkundemuseum, der Grund- und Mittelschule, dem Gymnasium und den Schlosskonzerten und vielem mehr hält die Stadt Oettingen ein eindrucksvolles Kulturangebot bereit.

 

Seit 1997 ist die Stadt Oettingen i. Bay. im World Wide Web präsent und war damit eine der ersten Städte Nordschwabens im Internet.

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